Weitere Tage bei den Belugas

Weitere Tage bei den Belugas im kalten Wasser der Hudson Bay sind nun vorüber und wir spüren so langsam dass wir uns fast jeden Tag der Kälte ausgesetzt haben.

Die Frage warum die Belugas vor einigen Tagen in den Fluss hinein wanderten scheint sich leider mit der Jagd nach einem der Tiere zu erklären. Weitere Spekulationen möchte ich an dieser Stelle nicht vornehmen!

Noch zweimal werden wir versuchen den weissen Engeln zu begegnen…um dann langsam von ihnen Abschied zu nehmen.

Erfreulich ist, dass wir so viele junge Tiere gesehen haben. Die jungen Belugas sind im Gegensatz zu den adulten Tieren noch blaugrau bis braun gefärbt. Bis zu zwei Jahren bleibt das Kleine bei der Mutter und bekommt auch erst im zweiten Lebensjahr seinen Zahndurchbruch.

Born to be free!   Mama-Beluga mit ganz frischem Nachwuchs.

Die knapp 60.000 Tiere zählende Population der Hudson Bay gilt derzeit als stabil.
Doch es lauern zukünftige Gefahren, wie z.B. eine diskutierte Öl-Verladestelle im Churchill River.

Und gäbe es hier nicht den kleinen Fisch Namens Lodde, gäbe es hier auch keine Kinderstube für Belugas. 35 Kilo Lodden frisst ein einziger Wal  während dieser Zeit – am Tag!
Bei 4000 Walen sind das 140.000 Kilo Lodden am Tag! Das setzt eine stabile Population dieser Fischart voraus.

Was bei all den Begegnungen am meisten beeindruckte war die Kommunikation der Tiere untereinander. Die Vielfalt der Laute ist einfach unglaublich! So unglaublich dass ich es einfach nochmal sagen muss! Eine Gruppe von 20 Tieren lässt das wie ein heiloses Durcheinander erscheinen..dies aber nur für unsere ungeübten Ohren.

Und vielmehr zeigt es, welche intensiven sozialen Kontakte und Verknüpfungen diese Tiere haben. Und selbst wenn sie hier Ihre Jungen in der Sicherheit der Flussmündung des Churchill Rivers großziehen haben sie einen relativ großen Aktionsradius.

Solche Begenungen in freier Wildbahn lassen erkennen, dass diese Tiere nicht für Aquarien bestimmt sind. Kein Wal oder Delphin der Welt hat die phsychische und physische Qual verdient, in einem dieser blauen Gefängnisse zu sitzen und sich für Nahrung zum Clown zu machen. Zu komplex sind ihre sozialen Bedürfnisse un Fähigkeiten. Viel zu groß ist ihr Aktionsradius. Ebensowenig können Besucher von Aquarien etwas vom natürlichen Verhalten dieser Tiere lernen…geschweige denn  beobachten.

Sonnenuntergang im 8 Grad warmen Wasser der Hudson Bay. Und mit den weißen Engeln und Kerstin im Wasser-bessser geht nicht!

Louise von Sea North Tours erzählte heute dass hier 1991 die letzten Belugas für ein Aquarium gefangen wurden. Dabei haben sich unschöne und herzzerreissende Szenen abgespielt.
Auch über das Sprachverhalten konnte sie eine nette Episode erzählen!

Ein kapitaler Eisbär beobachtete unseren Sundowner mit den Belugas vom Ufer aus.

Die von uns wahrgenommenen Laute der Wale hören sich keinesfalls immer gleich an. Es waren völlig unterschiedliche Geräusche wahrzunehmen als die Belugas am Fressen waren.
Viel Schriller – und viele kurze, helle Pfeifflaute – nicht ganz einfach zu beschreiben wenn man kein „Belugisch“ spricht 😉

Deshalb an dieser Stelle mal ein kurzes Video vom ersten Tag als die Tiere vorwiegend ihre sozialen Kontakte pflegten und gegenüber uns scheinbar nur neugierig waren. Die GoPro noch komplett falsch eingestellt und das Bild abgeschnitten da ich fotografierte…aber es zeigt das neugierige Wesen der Tiere. Unbedingt die Lautsprecher anmachen!

Gestern hatte die Flut erst am späten Abend ihren Höchststand, weswegen wir auch erst spät rasfuhren. Umgeben von schätzungsweise über hundert jagenden Belugas genossen wir diese Atmosphäre – obwohl es sich schon so langsam etwas kalt anfühlte. Zwei Eisbären beobachteten das ganze an der felsigen Küste. Die Überlegung des einen Bären ins Wasser zu gehen, verschaffte uns eine kurze Pause zum Aufwären auf dem Zodiak.

Mehr über die Belugas, ihre Sprache, ihre Gefährdung und die Bedeutung von Beluga-Popel für die Wissenschaft könnt ihr kommenden Winter im CHICO-Magazin für Tier- und Artenschutz lesen. Es gibt noch vieles zu erzählen.

Es ist jetzt 15:30 und in 2 Stunden gehen wir nochmal hinaus zu den Belugas. Ich kann es kaum erwarten sie nochmal zu sehen – und zu hören…

Noch einige Bilder der letzten Tage:

Beluga-Friends 🙂

Neugieriger Beluga – an meiner Flosse…

Beluga Escort

Kerstin auf dem Paddleboard bei den Belugas 

 

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